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Hellmut Wormsbächer wird 80 |
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Ein Ausnahmemusiker und Idealist - Hellmut Wormsbächer wurde 80
Am 24. September letzten Jahres feierte der Hamburger Dirigent Hellmut
Wormsbächer seinen 80. Geburtstag. Noch als Musikstudent gründete er
1946 den Bergedorfer Kammerchor, den er 55 Jahre von Erfolg zu Erfolg
führte. Die schwierige Suche nach einem Nachfolger, der künstlerisch
wie menschlich zu den Bergedorfern passte, konnte endlich erfolgreich
abgeschlossen werden, nachdem Professor Frank Löhr die Chorleitung
übernahm. Am 20. Februar wird der Bergedorfer Kammerchor 60 Jahre alt
und für "Vater Wormsbächer" ist es ein beruhigendes Gefühl, sein "Kind
Kammerchor" in guten Händen zu wissen.
"Ich erhole mich von einer Arbeit mit einer anderen" war ein geflügeltes Wort von Hellmut Wormsbächer und so "erholte" er sich bei dem Hamburger Oratorienchor, der aus drei voneinander unabhängigen Chören besteht und sich zu großen Aufführungen in der Hamburger Laeiszhalle zusammenfindet (heute unter der Leitung von Thekla Jonathal), bei dem von ihm gegründeten Bergedorfer Kinder- und Jugendchor als Nachwuchsschmiede für die Erwachsenenchöre, beim HM-Chor, beim Bergedorfer Kammerchor, als Dozent für Chorleitung in Schleswig-Holstein, bei einem Lehrauftrag an einem Hamburger Gymnasium mit Schulchor und Schulorchester, beim Schreiben von Bearbeitungen für Rundfunk- und Tonträger und erfolgreichen Kompositionen und Bearbeitungen für Chöre, mit denen er bis auf den heutigen Tag seine Verleger erfreut. Gastdirigate führten ihn nach Japan, Konzerte mit seinen Chören in viele europäische Länder. Trotz seiner Bescheidenheit blieb sein großes Engagement nicht verborgen. Er wurde mit der Brahms-Medaille der Freien und Hansestadt Hamburg, der Heinrich-Paulsen-Medaille des Sängerbundes Schleswig-Holstein, dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und nicht zuletzt mit dem Händel-Ring des VDKC geehrt. Der VDKC ernannte ihn außerdem zum Ehrenmitglied des Musikrates. Der Bergedorfer Kammerchor erhielt die Senator-Biermann-Ratjen-Medaille der Hansestadt Hamburg. Den Erfolg Hellmut Wormsbächers kann man vielleicht mit einem Zitat Ingeborg Bachmanns erklären: "Viel müssen die Dirigenten auf ihr Gewissen nehmen. Sie sind nicht nur dazu da, um den Takt zu schlagen." Wie wahr. Ein Dirigent, der hauptsächlich mit Laien arbeitet, muss ein hohes Einfühlungsvermögen und großes pädagogisches Talent besitzen. Die Chöre Wormsbächers profitierten außerdem von seiner außergewöhnlichen Musikalität und musikalischen Kompetenz. Die setzte bereits in der hohen Kunst der Programmauswahl ein. Es gelang ihm immer wieder, tonartlich und inhaltlich zueinander passende Werke auszuwählen, die einerseits seinen Anspruch befriedigten, andererseits das Publikum ansprachen. Und es fanden sich immer "Sahnestückchen" unbekannter Kostbarkeiten in seinen Programmen. Als Beweis gelten die vielen Mitternächtlichen Serenaden, die der VDKC veranstaltete und der Bergedorfer Kammerchor mit seinem Dirigenten gestaltete. So manche Ur- und Erstaufführung haben die Hamburger dem intensiven Partiturstudium und Spürsinn des Bergedorfers zu verdanken. So u.a. auch die Uraufführung von Hans Posers "Gesang Jeremiae" beim VDKC-Chorfest 1975 in Neuss. Von den vielen Erstaufführungen in Hamburg hier nur einige Beispiele: Messa per Rossini, Salomo (Händel), Gesang an die Hoffnung (Hindemith), Messe Solennelle (Berlioz), Fiedellieder (Hessenberg), Psalmus Hungaricus, Te Deum, Missa brevis (Kodály), die Passionen von Scandellus und Demantius. Nicht immer waren die Chormitglieder auf Anhieb von Wormsbächers Programmvorschlägen begeistert. Da gab es so manche Überzeugungsarbeit zu leisten. Hier ist Begeisterungsfähigkeit gefragt, und darin ist dieser Chorleiter kaum zu übertreffen. Er brachte den Choristen die Werke durch seine Erläuterungen so nahe, dass auch der letzte Kritische im Chor begeistert mitzog. Von den vielen hundert Konzerten, die Hellmut Wormsbächer gab, zeugen mehrere Ordner mit meist positiven, sogar überschwänglichen Rezensionen renommierter Kritiker und die vielen Rundfunkaufnahmen und Tonträger. Inzwischen ist es im Hause Wormsbächer etwas ruhiger geworden. Die Kinder Mareike und Detlev, haben geheiratet, zwei Enkelkinder lernen von den Großeltern Plattdeutsch und revanchieren sich mit Schwyzerdütsch (sie leben in der Schweiz). Nach wie vor kommen Klavierschüler ins Haus. Auch Frauke Wormsbächer ist, wie ihr Mann, eine gefragte Klavierpädagogin. Bei den Konzerten der Chöre hat sie mitunter den Klavierpart übernommen. Hellmut Wormsbächer schreibt seine Chorsätze inzwischen druckfertig auf dem Computer und sein feiner Humor schimmert hervor, wenn er sagt: "Ich habe jetzt außerdem einen neuen Beruf: ich bin Vertreter". Wann immer bei einem der ihm nahe stehenden Chöre der Chorleiter verhindert ist, freuen sich die Chormitglieder darüber, dass "Wormsi" als Vertretung einspringt und mit vollem Elan und kein bisschen müde die Chorproben leitet. Belauscht man die Chorsänger auf dem Heimweg, dann kann man hören: "Wo nimmt er bloß den Schwung her? Das war ja genau so, wie früher ..." Barbara Mürmann | ||||||||||||||||
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